Mission Wildlachs 2018

Aufgrund vieler Nachfragen nach meiner Rückkehr von Irland, habe ich mich doch noch dazu entschlossen einen Erfahrungsbericht für euch zu schreiben. – Viel Spaß beim Lesen 🙂

Endlich war es soweit – der Tag der Abreise stand an.

10.09.2018, 6:00 Uhr morgens wurde ich von unserem zweiten Vorstand Peter abgeholt.

Am Treffpunkt Schimmelturm Lauingen angekommen erstmal ein Kaffee… Die Müdigkeit stand mir immer noch in den Knochen. Fahrtziel: Frankfurt Hahn, ein kleiner Flughafen, der absolut gar nichts mit Frankfurt zu tun hatte. Warum wir genau diesen Flughafen ausgewählt hatten, lag auf der Hand: Direktflug zum Flughafen Kerry mit kurzer Weiterreise zu unserer Lodge.

Allgegenwärtig waren stets die Erwartungen an die Reise: Lange Vorbereitungen, neues Land, neues Gewässer, neue Fischarten, neue Eindrücke, andere Kultur, … – die Liste war lang.

Eine Reise ins Ungewisse, ins Land des grünen Klees.

Ob sich die in den letzten Wochen mühselig erarbeiteten Köder als fängig herausstellen, ob man doch an alles gedacht hatte… Ein klein wenig Nervosität war dann doch vorhanden.

In Frankfurt Hahn angekommen und eingecheckt gab es erst einmal eine Verzögerung auf Grund technischer Probleme. RYANAIR eben – Allways on time.

Doch schließlich waren wir in der Luft und auf unserer Mission.

Nach einem relativ kurzen Flug landeten wir am kleinen Flughafen Kerry. Wir wurden sogleich durch für Irland typisches Regenwetter begrüßt.

Während Peter unseren Leihwagen besorgte, nutzen Josef und ich die Gelegenheit und kamen sofort mit zwei netten Engländer ins Gespräch, die ebenfalls wegen einem Angelurlaub angereist waren. Ihr Zielfisch: „Sea Bass“

Die übrige Zeit nutzen wir mit Diskussionen über die perfekten Fahrkünste der Iren (siehe Bild unten).

Der erste Abend verlief relativ ruhig: Lebensmittel, Fischereilizenz und Tageskarten kaufen um am River Laune fischen zu dürfen. Anschließend fuhren wir direkt zu unser Lodge. Ein nettes kleines Privatwohnhaus unweit vom Fluss.

Hier wurden wir bereits erwartet. Nach der Begrüßung und einer kleinen Brotzeit begannen wir uns wohnlich breit zu machen, Koffer auszupacken und Angelsachen herzurichten.

Ein Schlachtplan für den ersten Tag wurde diskutiert: Welche Streckenabschnitte sollen wir zuerst befischen? Wie sind diese zu befischen? Wann beginnt unser Tag?

Ich ließ mich hier ganz und gar von meinen beiden erfahrenen Fischerkollegen leiten und passte meine Ausrüstung entsprechend den vorgegebenen Gegebenheiten an.

Lasst uns zum näheren Verständis auf den zu befischenden Fluss eingehen.

River Laune

Der River Laune ist ein Lachsfluss im Land Kerry Irland, der aufgrund seines vorgelagerten Sees eine gute Wassereinspeisung besitzt. Je nach Niederschlag steigt der Wasserstand daher relativ langsam oder sinkt sehr langsam ab. Zudem besitzt der Fluss einen Ganzjahresaufstieg von Lachsen und Meerforellen. Die Größe der Lachse variiert hier üblicherweise zwischen einem Gewicht von 4 und 6 Pfund. Größere Lachse kommen im Vergleich zum River Moy vor, sind aber eine absolute Ausnahme. Insbesondere die Schwarzfischer an der Küste und die legalen Netzfischer an der Flussmündung setzen dem Bestand seit Jahren immer mehr zu. Dies wird von der Regierung leider aber nicht verfolgt, nicht zuletzt wegen dem einfach zu geringen Angeltourismus in dieser Region.

Die hier ablaichenden atlantischen Wildlachse kehren bis zu 4 Mal in ihrem Leben in den Fluss zurück und sterben im Vergleich zu pazifischen Lachsen nicht sofort nach dem ersten Laich.

Endlich war es soweit.

Der erste Tag am Wasser. Wir starteten ganz klassisch mit der Zweihandrute. Hier gibt es einige wenige Gewässerabschnitte, die bei normalem Wasserstand ganz gut mit der Zweihandrute zu befischen sind.

Der Weg ans Wasser erwies sich den ganzen Urlaub über recht abenteuerlich: Ständig Gatter auf – Gatter zu, Koppel auf – Koppel zu. Es schien unmöglich sich hier als Tageskartenfischer ohne Ortskenntnisse zurechtzufinden.

Peter ließ nicht lange auf sich warten und konnte als Erster in diesem Urlaub eine schöne Meerforelle auf eine Lachsfliege fangen.

Auf die große Zweihandrute jedoch erwies sich der Drill wie zu erwarten relativ unspektakulär.

Auch bei mir zappelte etwas an der Rutenspitze und ich konnte einen kleinen Salmoniden laden. Zunächst ging ich unwissentlich von einer Bachforelle aus. Wenn doch etwas unschlüssig, warum dieser Fisch, wie bei Regenforellen in diesem Wachstumsstadium normal üblich, dunkle Flecken an der Seite besaß.

Was ich hier gefangen hatte war mein erster „kleiner“ Wildlachs. Und das auf eine relativ dunkle Lachsfliege mit beachtlicher Größe.

Mit diesem ersten schönen Erlebnis kehrten wir gegen Abend wieder in unsere Lodge zurück und wurden sofort durch unsere drei vierbeinigen Freunde und unseren „Wecker“ begrüßt.

Die drei konnte ich während meines Urlaubs wirklich ins Herz schließen. Warum genau? Ich glaube das erklärt sich von selbst 😉

Doch dazu später noch mehr…

Die ersten Tage vergingen wie im Flug. Raus ans Wasser, fischen, Mittagessen daheim, wieder fischen. Wir hielten uns wirklich ran.

Lachsfischen ist vor allem eines: Ausdauer!

Ich kann euch wirklich sagen, dass es nicht einfach ist. Zunächst ist man wirklich motiviert und die ersten Tage ist man immer voll konzentriert. Diese Konzentration verfliegt aber relativ bald und man beginnt sich recht schnell Gedanken über sich selbst zu machen.

Fische ich an der richtigen Stelle? Da drüben ist es vielleicht doch besser, oder etwa nicht? Habe ich den richtigen Köder? Soll ich doch noch etwas schwerer fischen? All diese Gedanken wandern einem durch den Kopf.

Einige dieser Fragen werden viele von uns durch die Fischerei in Deutschland kennen. Doch in Irland erlebt man diese Fragen noch ein weiteres Stück intensiver. Man ist extra hier im Urlaub und fährt ständig die Gefahr mit nicht einem einzigen gefangenem Lachs nach Deutschland zurück zu kehren.

Man hört von schlechten Bedingungen: Es werden kaum mehr Lachse gefangen. Sieht man nach Island, Norwegen, Irland… Durch die Überfischung im Meer (illegal und legal) dringen kaum mehr akzeptable Fangzahlen an die Öffentlichkeit. Die Nachfrage an atlantischem Wildlachs (auch Salmon Salar genannt) ist hoch. Ein Filet kann bis zu mehreren hundert Euro erwirtschaften. Auch der Farmlachs kann bei Weitem nicht die hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt befriedigen.

Viele Stunden, viele Schritte, viele Nerven. Das ist der Preis den man als Fischer bezahlt. Immer mit einem ganz konkreten Ziel vor Augen: Der eigenen Überwindung, der Selbstkontrolle, der Geduld. Alle diese Tugenden zeichnen einen Lachsfischer aus. Dies wurde mir erst am Ende dieses Urlaubs klar. Meinen beiden Fischereikollegen Peter und Josef sei an dieser Stelle mein höchster Respekt gezollt. Diese Willensstärke haben Sie über mehrere Jahre immer wieder unter Beweis gestellt!

Und zu irgendeinem Zeitpunkt passiert es dann – unverhofft. In einem Zustand der völligen Erschöpfung.

Der achttausendste Wurf.

Das Kupfer taucht in das brodelnde Wasser ein. 

Man hat keinen Kontakt mehr zum Köder. Man kurbelt… ein kurzer Zug. Wieder nichts?

Die Schnur hängt durch. Man kurbelt weiter. Weiter kein Kontakt zum Köder.

Doch dann plötzlich…

FISH ON!

Der Urschrei der Giganten! Auf einmal dick im Geschäft! Ein kapitaler Fisch. Die Rute biegt sich bis zum Anschlag. Die Bremse ist fast ganz zu!

Und da ist sie: Die Konzentration. Adrinalin schießt durch deinen ganzen Körper. Du bist komplett fokusiert! Jeder Fehler könnte jetzt fatal enden!

Und jetzt bloß den Fisch nicht in Richtung Meer flüchten lassen!

Die Rute biegt sich immer noch voll durch.

Ein Sprung, ein Klatschen, ein Ruck!

Er zeigt sich von der Seite.

Ein großer Stein! Vorsicht!

Auch da drüber! Wo steht mein Kollege???

Er ist da! Kescher!

Und jetzt Rute hoch!

Zieh ihn rein!

YES!!!

Petri Heil!

Unfassbar! Ich bin infiziert! – Vom Lachsfieber! Jetzt hab ich es auch und werde es nicht mehr los.

Wir sehen uns am Wasser 🙂

Allseits dicke Fische

Euer Tobi


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